Sö. liebes Tagebuch,
“eigentlich” hätte ich ja total viel zu tun, aber heute ist Sonntag, der Tag, der sich von den anderen dadurch unterscheidet, dass die Geschäfte zu haben. Dabei ist heute der Monatserste und ich habe wieder Geld. Mist! Naja, investieren wir [pluralis majestatis] es lieber in sinnvolle Sache wie z.B. Eis und eine Kinokarte (Harry Potter 3 *lol* Mein erster Harry-Potter-Kontakt, und es war schön *g* Vor allem da Ian “Monkey” Brown als Statist zu sehen ist. Wer Ian Brown ist? Ach, Kinners…).
Aber von Ian Brown zu den Stone Roses zu Manchester zu Morrissey… deswegen: Worte sammeln und über alte Helden stammeln (*hüstel* Prosa war immer schon mehr meine Sache als Lyrik.).
Alte Helden- Der Bericht für Leute mit ganz viel Zeit:
Teil 1, Dekadent in Manchester
Freitag: Ilmenau-Aachen (btw: Frankfurt-Köln, beste ICE-Strecke ever!), (Schul-)Freund aufgegabelt, nach Köln-Bonn-Flughafen, beim Security-Check Stiefel ausziehen müssen, nach Liverpool geflogen, dann nach Manchester mit der Vorortsbahn (Großes Lob an die englische Bahn, das klappte milliardenmal besser als Köln-Aachen!). Und dann: Manchester- Stadt meiner Träume. Im Sonnenschein statt im Regen. Mit wunderschönen alten Häusern statt mit Dickens-esken grauen Fabriken (Lesen schadet!). Und mit einer Atmosphäre, die meine nach der Lektüre von “24 Hour Party People” nicht gerade niedrigen Erwartungen deutlichst übertraf. Ich liebe diese Stadt, und diese Stadt liebt mich zurück. Und das war erst Freitag…
Sonnabend: Endlich etwas Nieselregen, endlich Full English Breakfast (yummy!). Endlich die Stadt erkunden. Plattenläden. Selbstbeherrschung war ja noch nie meine Stärke, und “World In Motion” wollte ich immer schon besitzen (der beste Fussball-Song ever, En-ge-land!), naja, und dann gab’s noch diese tolle Electronic-Single mit Neil Tennant und… immerhin war da gerade Sale, so dass ich 25% Rabatt bekam. Und ab nächster Woche habe ich auch hoffentlich auch einen Plattenspieler, dann kann ich das alles auch mal hören und nicht nur angucken ;-) Vielleicht hätte ich doch diese Pulp-Promo kaufen sollen?
Weiteres Highlight: in China-Town zum ersten Mal seit Mai kantonesisches Essen. Und Tschingdao-Bier. Yummy! Und dann die Menschenmassen abends auf den Strassen, auf den Weg zu Parties! Irre. Noch ein Manchester-Klischee, das sich erfüllt…
Sonntag: Dann der längst-ersehnte Tag seit dem 29.6.1999 (*lol* erzähl ich später, oder nie). Auf nach Old Trafford. Ums Fußball-Stadion gewandert, die Aura aufgenommen, Karten abgeholt, zum Cricketground gegangen, und dann einen ziemlich guten Platz in der dritten Reihe ergattert. Die ersten beiden Reihen waren mit jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen mit Narben von Schnittwunden an den Armen besetzt, ziemlich shocking und traurig. Und dann ging’s los. Erst James Maker mit irgendwelchen Leuten von Apollo 440 (selige Erinnerungen an ran; damals, als JBK und Beckmann noch auf Sat.1 nervten), der irgendwie meist unverstanden blieb; dann The Ordinary Boys, die ziemlich super waren- oder lag’s dran, dass ich vom NME vorgehypt war? Als nächstes The Beta Band, über die ich mich sehr gefreut habe (der Rest der Menge eher weniger)- super Anzüge und große Songs wie z.B. Dry The Rain. Da war ich schon ziemlich glücklich. Zwischendrin immer Videoclips auf den Videowänden, einmal sogar was von den Happy Mondays. Riesenfreude im Publikum. Es geht doch nichts über ein wenig Lokalpatriotismus ;-)
The New York Dolls rockten anschließend wie vor 25 Jahren, aber sahen aber sehr scary aus. Der Sänger ist aus wie eine Kreuzung zwischen Mick Jagger und Steven Tyler (Heroin macht im Alter so hässliche Falten!), war aber sehr cool und witzig. Und dann…. (zitternde Finger, wenn ich nur dran denke) endlich Morrissey. *scream* *faint*
In bester Stimmung (”I’m so happy, I think I’ll go off to the court room”), bei bester Stimme und großartigst aussehend. Wirklich. Wow. *schmacht* Neben brillianten neuen und alten Songs auch noch zwei The Smiths-Songs, The Headmaster Ritual und There’s A Light That Never Goes Out, das ich schon am Freitag zitiert hatte (”and if a double-decker bus crashes into us, to die by your side, such a heavenly way to die”), als ich nicht glauben mochte, dass es noch besser werden könnte… *schmacht* Das einzige, was leider fehlte, war A Rush And A Push And The Land Is Ours, aber dann wäre ich wohl vor Glück gestorben. Dann in Trance zurück, noch ein Ale (meine Lieblingsbiersorte) in einem Late-Licence-Club und Sonntag war vorbei.
Montag: Coming down is the hardest thing… and sadness is my middle name. Irgendwie zurück nach Deutschland. Bei der Passkontrolle in Deutschland mal wieder über diesen latenten Rassismus geärgert (ja, der Typ hat eine etwas dunklere Haut, aber muss man deswegen dreimal so gründlich seinen deutschen Pass prüfen? Keine Antwort erforderlich, aber die Welt ist bestimmt wieder ein Stückchen sicherer geworden. Spineless Bastards!). Und der Kölner Hauptbahnhof trug auch nicht gerade zur Aufhellung meiner Stimmung bei…
Anyway, das ist nun fast einen Monat her und das Schlimmste ist überstanden. Denn schließlich muss noch Teil 2 folgen.
Teil 2, auch ziemlich dekadent in München:
Hoch oben im Olympiastadion, gut versorgt mit Bier, Bretzeln und Popcorn (Eltern, die bezahlen, sind was feines) den Menschen lauschen, die vielleicht oder vielleicht auch nicht für meinen Vornamen verantwortlich sind- Simon & Garfunkel also. Ein wunderbarer, lauer Sommerabend, große Menschenmenge, zwei old friends, die immer noch ziemlich gut bei Stimme waren und alle alten Hits spielten (auch “Cecilia”, args. Aber dass ich diesen Song hasse, hatte ich ja schon mal erwähnt). Dabei endlich begriffen: Sounds Of Silence ist eine Kampfansage, jawohl. Dieser Song sagt “fuck you all”, allerdings auf eine sehr wohlerzogene Art, aber trotzdem. Rock’n'Roll!




