Platten-Tickern ist wohl die einzig gute Erfindung des ansonsten unlesbaren Spex-Forums. Funktioniert wie das Tickern eines Fußball-Spiels, und hier mal in abgewandelter Form nicht als Thread, sondern als Eintrag. Das Album habe ich jetzt schon zweimal gehört, konnte mir da bisher aber keine rechte Meinung bilden. Deswegen mein erster Ticker-Versuch, here we go:
Minute 1: Streets Of New York fängt mit mit einer seltsamen Orgel an. Dann Gitarre, Schlagzeug. Sonst nichts.
Minute 2: Endlich Gesang. Cerys gleich zweistimmig. Erinnert irgendwie an “Arabian Derby” vom letzten Catatonia-Album. Oder an “Apple Core”.
Minute 3: Hm. Der Chorus geht irgendwie nicht so recht ins Ohr. Aber die Stimme ist wie immer toll. “I want to rescue everything”. Die Hammond-Orgel klingt nach Richard von der Schulenburg (RvdS im folgenden Text), das passt eher nicht so.
Minute 4: Die Hammond-Orgel schweigt endlich. Hätte komplett fehlen können. Der Teil mit “Now when smoke lingers I won’t forget” ist sehr schön.
Minute 5: Der Chorus x-mal und Ende. Dann Lied 2- A Bird In The Hand. Schön pluckeriger Anfang.
Minute 6: Erinnert an das Titellied von Dawson’s Creek. Besonders der Chorus.
Minute 7: Ja, dieser Song schreit geradezu nach einer Teenie-Serie.
Minute 8: Sehr hübsch und wesentlich eingängiger als der erste Song. Die Harmonien erinnern an Catatonia. Schöne Akustik-Gitarre.
Minute 9: Song 3 - Oxygen. Ich hätte jetzt gern etwas Banjo vom letzten Album, gibt’s aber nicht. Dafür ein bisschen elektronisches Gewaber. Klingt aber stärker als die vorherigen Songs nach dem ersten Solo-Album.
Minute 10: Ui. Jetzt wird’s laut. Sie singt was von “fuel”. Catania-Assoziationen, again.
Minute 11: Oh, meine zweitliebste Cerys-Stimm-Pose, die betrunkene Cerys. Oh, Bläser. Und jetzt wieder “ah-ah-ah”-Chöre, die müssen wohl auf jeden Lied drauf.
Minute 12: Noch mehr Bläser. Weniger ist mehr war wohl nicht gerade die Devise. Jetzt so komisch abgehackte Background-Vocals, klingt als würde die Platte springen. Soll aber so.
Minute 13: Ui. Jetzt geht’s aber ab. Cerys ist sauer. Und abrupter Stop. Dann Lied 4- Open Roads, die erste Single. Nur Akustik-Gitarre.
Minute 14: Schon wieder RvdS-Orgel und Geigen. Hm. Hübsches Lied. Sehr traurig. Schlagzeug setzt ein. Und aus diesem Lied stammt also auch der Titel der Platte.
Minute 15: Guter Text. Gefällt mir bisher am Besten. Die Streicher sind etwas überflüssig.
Minute 16: Fast ein bisschen überproduziert, aber natürlich nichts im Vergleich zu Starsailor. Klingt live bestimmt total anders. Der Schluss wieder nur mit Akustik-Gitarre.
Minute 17: Das ist echt besser, nur so akustisch. Jetzt This endless rain, Song 5. Passt heute ausnahmsweise nicht zum Wetter. Klavier-Intro, fein.
Minute 18: Sehr langes Intro. Stimme zum Dahinschmelzen.
Minute 19: Endlich mal reduzierte Instrumentierung. Danke. Toller mehrstimmiger Gesang. Und jetzt Streicher, die passen sogar.
Minute 20: Oh, das Klavier hat eben eine sehr schöne Verzierung gespielt. Jetzt so Schellengeklimper und “uh-oh”-Chöre. Es regnet überall.
Minute 21: Pling- und Ende. Der nächste Song Blue Light Alarm beginnt mit Glockenspiel.
Minute 22: Stimme mehr gehaucht als vorher. Klingt ein wenig nach “Bulimic Beats” mit Glockenspiel statt Harfe und nicht ganz so sparsamer Instrumentierung.
Minute 23: Stimme scheint mehr über dem Song zu schweben. Und wieder Streicher. Die Bridge ist wunderbar. “Hits me like a hurricane” ruft leider unpassenderweise die Scorpions ins Gedächtnis.
Minute 24: Oh,jetzt Chöre wie bei The Polyphonic Spree.
Minute 25: Der Schluss wieder in reduzierter Form. Bisher ist das immer das Beste an allen Liedern gewesen. Jetzt Morning Sunshine. Sehr Catatonia-mäßig.
Minute 26: “The darkest hour comes before the sunrise” ist leider sehr klischeehaft. Aber die Instrumentierung ist endgültig bei The Polyphonic Spree angekommen, was zu diesem Lied prima passt.
Minute 27: Ach, das ist eins der Lieder mit Gruff Rhys von Super Furry Animals, das erklärt warum, es mich an “Receptacle For The Respectable” erinnert. Tolles Lied. Bisheriges Highlight. Jetzt ein leicht schräges Klavier zu Beginn von Seed Song, Lied 8.
Minute 28: Klingt ein wenig nach Cabaret-Musik oder Muse light.
Minute 29: Und jetzt nach Phoenix. Tanzbar, beschwingt, soulig. Jetzt passt auch mal die RvdS-Orgel.
Minute 30: Viel besser als das aktuelle Phoenix-Album (file under: Indie-Enttäuschungen 2006). Oh, jetzt Rhythmuswechsel. Doch nicht komplett tanzbar.
Minute 31: Jetzt Harfe! Ich will endlich mal Banjo! Kommt aber nicht. Jetzt wieder der Phoenix-Teil. Phoenix meets Muse, gesungen von Cerys Matthews. Spitze! Da interessiert der etwas triviale Text nicht mehr.
Minute 32: Chöre, ganz viel Zeug, ein bisschen zu viel, Fade Out. Jetzt wieder “ehrlicher” Rock mit What Kind Of Man, Lied 9.
Minute 33: Die Stimme ist schön nach vorne gemischt und Cerys singt ihr Seele aus dem Leib. Ich mag Rockröhren-Cerys, auch wenn sie dann immer ein wenig an Bonnie Tyler erinnert.
Minute 34: Und schon vorbei. Jetzt wieder etwas elektro-pluckerig-ruhiger mit Lied 10 Ruby. Schlagzeug erinnert an die Smashing Pumpkins.
Minute 35: Auch dieses Lied besteht aus mindestens zwei Teilen. Eher drei. Zum Teil sehr eingängig, aber irgendwie zu viel auf einmal. Live-Version wäre interessant zum Vergleich.
Minute 36: Jetzt ein instrumentales Zwischenstück. Dieser Song ist komplett zerfasert. Irgendwie ganz geil, aber nichts für ein Mixtape. Ich hätte den im Tracklisting weiter nach vorn geschoben.
Minute 37: Dieser SmaPu-Schlagzeug-Teil ist super. Fade Out. Jetzt endlich ein Song auf Walisch: Elen, der letzte Song der Platte. Und endlich zeigt Cerys, was sie stimmlich noch so alles kann.
Minute 38: Und bisher nur Gitarre, Schlagzeug und Klavier. Wie angenehm sparsam. Und Gruff Rhys singt mit. Hach, ist das herrlich.
Minute 39: Jetzt so Geister-Background. Mit großem Abstand mein liebstes Stück auf der Platten. Oh, und walisisch klingt so toll. Ich muss gleich heulen, so toll ist Cerys’ Stimme.
Minute 40: Rollendes Klaviergedonner. Und jetzt wieder beide. Worum auch immer es in diesem Stück geht, es ist fantastisch. Nein, nein, es darf noch nicht zuende sein!
Minute 41: Puh, noch ein bisschen weiter. Singen die jetzt englisch? “Turn around”? Oder bilde ich mir das ein? Oh, und jetzt ist es vorbei.
Minute 42: Ein Knacken und Schluss. Jetzt Stille, es folgt also noch ein Hidden Track.
Minute 43: Stille. Zeit für eine Runde Spider Solitär? Ich lese mir lieber nochmal den Mist durch, den ich geschrieben habe.
Minute 44: Joah. Schweigen ist Gold, etc.
Minute 45: Eine Schweigeminute für Catatonia. Oh, doch nicht. Nach ca. 50 Sekunden ein Gebrumme und dann eine (Taiko?) Trommel. Eine Frau spricht.
Minute 46: Das ist japanisch? Ist das Cerys? Klingt jedenfalls besser als das Japanisch von Bernard Sumner. Habe ich zufällig die japanische Bonus-Version abgegriffen oder ist das überall drauf? Merkwürdig.
Fazit: Ich weiß immer noch nicht so recht, was ich von Never Said Goodbye halten soll. Es ist natürlich ein ganz fantastisches Album, weil es ein Cerys Matthews-Album ist, und sobald sie den Mund aufmacht, alles toll ist, selbst wenn Orgel und Streicher rumnerven. Allerdings hätte man auf den ganzen Kitschkram verzichten können, eben weil die Stimme schon alles mitbringt. In ihrer Phrasierung steckt doch so viel drin, dass man gar keine Effekte mehr braucht. Herausragende Stücke bisher: Elen, Morning Sunshine und Open Roads. Streets Of New York braucht ungefähr noch fünf Durchläufe, bis ich es mag, ebenso Oxygen und Blue Light Alarm. Bedauerlich außerdem, dass die Country-Instrumentierung des letzten Albums fehlt, ich hätte gern Steel Guitar und Banjo gehört.
Auch ist es schwer, dieses Album einzuordnen (was gut ist). Es ist nicht so abgedreht wie die Neo-Folk-Sachen von Devendra Banhart oder CocoRosie, aber auch nicht so Pop wie Nelly Furtados vorigen Alben. Nicht nur wegen A Bird In The Hand, was mich sehr an Paula Cole erinnert, klingt das Album sehr nach 90er Jahre-SingerSongwriter-Pop (irgendwo zwischen Vonda Shephard und Alanis Morissette, was jetzt nicht negativ gemeint ist). Erstaunlich. Das erste Mal, das ich etwas neues höre, was nach den 90er klingt.