Wie hier angekündigt, ging es gestern zu Slayer & Co. in die Messehalle Erfurt, in der ich bisher nur mal Bob Dylan gesehen hatte. Altersmäßig unterschied sich das Publikum nicht sehr, allerdings war der Frauenanteil dieses Mal doch wesentlich niedriger. Aber auch hier wieder Eltern mit ihren Kindern (die zum Teil sehr deplatziert wirkten, also, die Kinder), Menschen mit traumhaft schönen Vokuhilas und jede Menge Jeans-Kutten, diesmal jedoch mit etwas anderen Aufnähern.
Als ich gegen 21 Uhr kam, spielten gerade “motherfucking” Children of “motherfucking” Bodom, die leider außer vielem Gefluche und einem seltsamen Keyboard nicht viel zu bieten hatten. Die Songtitel waren schön (”Hate Me”, “Death To All”), aber die dauernden Keyboard-Intros gingen mal gar nicht klar. Ok, es war noch kein Opera-Metal oder Folk-Metal oder wie all diese schlimmen Richtungen heißen, aber trotzdem- die einzige vernüftige Metal-Richtung ist Immer-In-Die-Fresse-Rein-Metal, hart, laut, schnell. Sonst kann ich auch gleich Popmusik hören, da muss ich mir dann zumindest kein Gitarrengewichse antun.
Nach Children Of Bodom lief als Umbaumusik zunächst “Sabotage” von den Beastie Boys und dann französischer LoungeJazz, was leider zu keinen Ausschreitungen führte. Während noch für die nächste Band “In Flames” aufgebaut wurde, wurde hinter der Bühne schon mal das Schlagzeug von Slayer getestet. Ein einziger Schlag auf die Bassdrum nur und schon hatten In Flames leider komplett verloren.
In Flames kamen dann trotzdem raus (ich bewundere sowieso die Drummer der anderen Bands auf dieser Tour, ich hätte nach dem ersten Auftritt von Dave Lombardo heulend in der Ecke gesessen und mich nie wieder ans Schlagzeug getraut), leider auch mit Keyboarder. Noch schlimmer jedoch war der knilchige Sänger mit den Wursthaaren, der auch eine für Metal komplett unpassende Stimme hatte. Vielleicht sollte mal jemand das Genre “Reggae-Metal” erfinden, dort könnte der dann unterkommen. Am Allerschlimmsten war jedoch, dass In Flames 1,5 Balladen spielten. Nein! Ich will keine Metal-Balladen! Ich will keine hochgehaltenen Feuerzeuge! Dann kann ich ja gleich Poison mit “Every Rose Has A Thorn” oder “Love Hurts” von Nazareth hören. Im Gegenzug gab es auch noch 1,5 Songs, die ganz gut schnell und hart waren, aber doch immer wieder durch Keyboard-Einlagen verdorben wurden. Melodic, my ass.
Dann wurde endlich für SLAYER umgebaut. Diesmal auch zu Metal-Klängen. Großartiger Einfall: Die Verstärker-Türme in Form von umgedrehten Kreuzen aufzubauen. Ich mag Klischee-Erfüllung, gerade in diesem Genre. Und dann ging es endlich los. Ohne Keyboard, natürlich! Zum Einstieg das vergleichsweise ruhige “God Hates Us All”, aber Dave “Schlagzeuggott” Lombardo musste sich ja auch erstmal warmtrommeln. Tom Araya (der, wie hinter mir von ebenso alten Menschen bemerkt wurde), ziemlich alt geworden ist, erinnerte mich auf bizarre Weise an meinen Mathe-Professor, zeigte aber dem In Flames-Knilch innerhalb kürzester Zeit, wo der Bartel den Most holt [oder anderes Lieblingssprichwort hier einsetzen]. Hitgeballer, Schlag auf Schlag (sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn). Schallwellen, die man nicht bloß in der Magengegend, sondern bis zum Hals spürte. Nichts für Menschen mit Herzproblemen. Und immer mitten in die Fresse rein. Dave Lombardo muss zwischen 4 und 10 Armen besitzen. Ich habe selten/noch nie jemanden mit einer solchen Präzision und Geschwindigkeit drummen hören, unglaublich. Nachdem “Reign In Blood” (mit blutroter Beleuchtung, is’ klar) den regulären Teil beendete, gab’s für die Zugabe noch mehr in die Fresse, unter anderem ein kurzes, aber unglaubliches Drumsolo. Und dann war’s auch schon vorbei. Noch ein bisschen Zeug in die Menge geworfen (kurz überlegt, mich um einen Drumstick zu prügeln) und weg. Krass.
Der seltsamste Besucher war übrigens ein Mann in einer XXXXL-Trinidad&Tobago-Trainingsjacke und Guildo Horn-Gedächtnisfrisur, der außerdem einen AAA-Slayer-Sticker trug. Faszinierend.
Dann ging’s wieder nach Hause, geschickt an der Polizeikontrolle und am Stau vorbei- bin ich wirklich die einzige, die weiß, dass man an der Kreuzung beim IKEA zweispurig nach links abbiegen darf? Bizarr. Schlafen konnte ich übrigens nicht besonders gut, weil mein Kopf noch eine ganze Weile nachdröhnte (trotz uncooler Ohrenstöpsel).