(Mir fällt gerade auf, dass ich noch einen halben Eintrag zur Nippon Connection 2006 unter Drafts liegen habe. Naja.)
3 Tage, 8 Filme- eine okaye Ausbeute. Letztes Jahr waren es ein oder zwei Filme mehr, aber dafür war es dieses Jahr entspannter. Zum Wii-Spielen bin ich trotzdem nicht gekommen. Dafür habe ich sehr erstaunliche Teile von Frankfurt gesehen auf der Suche nach dem Filmtheater Valentin in Frankfurt-Höchst. Dort ohne Ortskenntnisse und nur mit dem Nippon Connection-Heft bewaffnet hinzufahren, ist so generell erstmal keine gute Idee, weil der Stadtplan im Heft, nun ja, eher nicht so detailiert ist. Auch der Polizist am Bahnhof Höchst konnte mir leider nicht erklären, wie man dort hinkommt, er kenne sich nicht aus (ach so). Dafür wusste der Kiosk-Besitzer Bescheid: “Das ist da beim dem Gefängnis, das kennen Sie doch sicher?” Kannte ich nicht, aber der Hinweis war in der Tat richtig. Einfach beim Gefängnis links abbiegen, nachdem man vorher gerade aus vom Bahnhof weg gelaufen war (Seite Adelonstraße). Und dank meiner Pfadfinder-sKiLlZ konnte mich dann auch noch am Stand der Sonne orientieren, so dass ich genau 5 Minuten vor Beginn von “Nightmare Detective” eintraf.
Ein bisschen unglücklich war der Infoscreen am S-Bahn-Gleis unten im Frankfurter Hauptbahnhof, der wenige Sekunden vor Einfahrt der S-Bahn (höhere Taktfrequenz würde übrigens gerade nach Fußballspielen nicht schaden) den traurigen Eintrachtfans “Nur noch wenig Hoffnung für Frankfurt im Abstiegskampf” anzeigte. Glücklicherweise war’s ein Kurzzug, der knapp vor dem Infoscreen hielt. Vielleicht ist auch Sich-vor-die-einfahrende-S-Bahn-werfen in Deutschland nicht so populär und meine Befürchtungen eher auf “Noriko’s Dinner Table”zurück zu führen, den ich vorher geguckt und durchlitten hatte.
Ach, und noch was, bevor es zu den Filmen geht: Das Festival-Zentrum liegt neben dem Senckenbergmuseum, das von zwei stattlichen Dinosaurier-Modellen bewacht wird. Tagelanges Bestaunen ließ mein Dino-Nerdtum wiedererwachen, so dass ich Sonntag den unbändigen Wunsch verspürte, mir ein Dino-T-Shirt zu kaufen (vielleicht hatte ich auch einen Sonnenstich). Leider jedoch gab es im Gift-Shop des Senckenberg-Museums keine Dino-T-Shirts, nur große Pteranodone aus Plastik und jede Menge lehrreiches Zeug wie Gesteine, Dinobücher und Weltkarten, nicht den Ramsch, den ich gerne gekauft hätte (Ankylosaurus-Druckbleistift, Dino-Lollies etc.). Tz. Dann muss ich mir also mein Dino-T-Shirt selbst malen.
Nun aber zu den Filmen:
The World Sinks Except Japan: Eine sensationell lustige Parodie auf Nippon Chinbotsu (bzw. dem Remake Nihon Chinbotsu) von Super-Regisseur und überzeugten Hawaii-Hemd-Träger Minoru Kawasaki, der schon mit Executive Koala, Calamari Wrestler und ähnlichem Trash begeisterte. Der Film ist mit eher unbegabten Schauspielern besetzt, enthält aber so viele Wahrheiten über Japan und Ausländer in Japan, dass er deutlich über bloßen Trash hinausgeht. Mein Festival-Highlight. Leider funktioniert die Website www.all-chinbotsu.com momentan nicht.
Uncle’s Paradise: Ein Pink-Film, also vorgeschriebenes Rumgeficke mit möglichst abgedrehter Story. Hier eine bizarre Geschichte von einem Mann, der nicht einschlafen will, weil er dann Alpträume bekommt und sich mit Energy Drinks und Sex wach hält. Später landet er mit seinem Neffen dann noch in der Hölle, die sehr fein trashig gestaltet war und nach 64 Minuten ist auch schon alles vorbei. Recht lustig.
Yokohama Mary: Dokumentation über eine weißgeschminkte Frau, die jahrzehntelang durch die Straßen Yokohamas geisterte, und ihre Freunde und Yokohama selbst. Sehr tolles, herzzerreißendes Thema, leider hatte die Dokumentation zwischendrin einige Längen, für die das Ende allerdings entschädigte.
Noriko’s Dinner Table: 159 lange Minuten, nach ca. 2 Stunden fällt ungefähr der Satz “Mir lief Rotz aus der Nase und ich musste man dringend auf die Toilette”, bei dem nicht nur ich daran erinnert wurde, dass es mir genauso geht. Die Geschichte wird kapitelweise aus der Sicht der verschiedenen Hauptpersonen erzählt, es wird viel geweint, 54 Mädchen springen gleichzeitig vor eine S-Bahn, andere werden erstochen, und wenn das alles nicht so lange gedauert hätte, hätte ich den Film auch richtig gut gefunden. So torkelte ich komplett benommen (aber nicht gut benommen wie nach The Fountain) und ausgelaugt aus dem Kino.
Nightmare Detective: Mmh, Horror. Und zwar sogar recht gruseliger mit reichlich Gore (mmh, Gedärme) dabei. Klar, ein bisschen voraussehbar, aber so gut gemacht, dass man gar nicht dazu kommt, über das Ende nachzudenken. Vielleicht sogar auch noch beim zweiten Sehen gruselig.
Nikomihoppy: Noch ein Pink-Film. Im direkten Vergleich fällt auf, dass die Sexszenen anscheinend immer gleich inszeniert werden: Einmal ist der Mann oben und grabscht der Frau ein bisschen uninspiriert an der Brust rum, einmal ist die Frau oben (wieder uninspiriertes Gegrabbel), dann noch eine Szene von hinten und eine Blowjob-Szene, bei der man allerdings nicht so richtig was sieht. Und grundsätzlich wird weggeschnitten, bevor einer der beiden zum Orgasmus kommt (käme ich allerdings auch nicht, weil ich mich über das Brust-Gegrabbel kaputtlachen würde). In einem Wort: langweilig. Da muss die Story schon ein bisschen was reißen (siehe Uncle’s Paradise). Bei Nikomihoppy ging es um Pferdewetten und Ex-Freundinnen, was zwar ganz ok, aber nicht besonders aufregend war. Naja.
Yubari International Fantastic Film Festival 2 - Yubari “Indies Actress: Hiromi Miyagawa” Special: Bestand aus zwei Filmen. Tokyo Lady bestand hauptsächlich aus Sexszenen und ein bisschen unverständlich untertiteltem Dialog. Laut Programmheft ging es um Verständigungsschwierigkeiten in Beziehungen, was gut nachvollziehbar war. Love Song For A Rapper war ebenso schlecht untertitelt, was nicht ganz so schlimm war, da die sehr bunte Geschichte von zwei gestörten Brüdern auch ohne große Worte verständlich war. Mit den imdb-Keywords “Training, Rape, Anal Sex, Dead Bird, Dysfunctional Family, Baseball, Gore, Surreal, Cola Can, Vagrant, Comic Book Artist, Sword, Strong Language, Black Comedy” ist der Inhalt recht gut zusammengefasst. Die Sexszenen waren übrigens deutlich interessanter als die in den Pinkfilmen.
Love On Sunday: Noch ein Highlight zum Abschluß. Ein total entzückender, rührender Film über vier Highschool-Schüler. Die Darsteller sind hervorragend, die Drehorte wunderbar, die Geschichte ein bisschen vorhersehbar, aber trotzdem großartig. Einer der tollsten Teenie-Filme, die ich je gesehen habe. Erzeugt dieses zart-schmelzende Gefühl von Nostalgie, für das es im Japanischen ein Extra-Wort gibt, welches ich immer wieder vergesse. Sehr empfehlenswert.




