Was ist bloß mit dieser Stadt los, dass fast alle Konzerte, die ich dort besucht habe, extrem seltsam waren? Von den “großen” Konzerten wie Bob Dylan, Slayer und Motörhead mal abgesehen, war eigentlich kein Konzert einfach nur ein Konzert. Entweder rennt eine besoffene Frau auf die Bühne und gröhlt rum, oder um 24 Uhr wird plötzlich der Strom abgeschaltet, weil es sich das Ordnungsamt doch anders überlegt hat, oder es sind gerade mal 12 Leute da, oder das Publikum ist komplett lahm (eigentlich immer) und es herrscht eine seltsame Stimmung. Exemplarisch dafür ein Interview mit den Türen im Rolling Stone vor ca. 2 Jahren, die Montagskonzerte und Konzerte in Erfurt als die schwierigsten Konzerte bezeichneten. Man kann es ihnen nicht verdenken.
Gestern nun ein neuer Höhepunkt an Seltsamkeit: Skanking for the Kids im Stadtgarten (ja, das ist Ska). Um 20 Uhr sollte es losgehen, um 20.50 Uhr war der Soundcheck vorbei. Zu diesem Zeitpunkt waren 35 Leute anwesend, die im Stadtgarten, in den sicherlich 2000 Leute ohne Bestuhlung passen, etwas verloren wirkten. Glücklicherweise hatten die Organisatoren für ausreichend Sitzgelegenheiten gesorgt, was dazu führte, dass niemand vor der Bühne stand, sondern alle Leute im hinteren Teil des Raumes saßen (15 Meter Abstand zur Bühne mindestens). Dann trat die erste Band auf, die erstaunlicherweise mit Ska nur das weiß-schwarz karierte Hemd des Gitarristen gemein hatte und Hardcore Punk spielten, zu dem ihre 2 mitgebrachten Fans tanzten (falls sich einer der beiden auf meinen Blog verirrt und mir dann sagen möchte, dass das gar kein HC war, sondern irgendeine andere Punk-Subkategorie- bitte erkläre mir dann auch gleich, wie man erst kiffen kann und dann so aggressiv rumschreien. Danke.). Sonderlich viel mehr Leute stellten sich dann im Laufe des Auftrittes auch nicht mehr vor die Bühne, so dass sich die allseits bewährte “bizarre Konzerte in Erfurt”-Stimmung einstellte.
Nach einer kurzen Pause traten dann die Rudementaries (Ska erfordert ja zwangsweise schlechte Wortspiele im Bandnamen) auf, die erstens Ska spielten, zweitens gute Laune hatten und drittens das mittlerweile deutlich zahlreichere Publikum zum Tanzen brachten. Eine sehr nette Band mit viel Spielfreude, die darauf hoffen ließ, dass der Abend doch noch gut zuende gehen würde.
Nun ja. So gegen 23.30 Uhr traten dann The Vibration Syndicate, die Organisatoren des Abends (Benefiz für ein Kinderkrankenhaus in der Nähe von Tschernobyl) auf und deren Auftritt erklärte dann auch, warum der ganze Abend so unorganisiert wirkte. Nach maximal 5 Liedern wurde der Auftritt von der Band als beendet erklärt, so dass das Publikum nach einer Zugabe schrie. Die wurde gespielt und der Sänger erklärte, sie würden jetzt gehen. Das Publikum schrie nach einer Zugabe. Die Band spielte ein Lied und der Sänger erklärte, sie würden jetzt gehen. Das Publikum schrie nach einer Zugabe. Die Band spielte ein Lied und der Sänger erklärte, sie würden jetzt gehen. Spätestens jetzt kam man sich irgendwie ziemlich verarscht vor, doch dieses Spielchen wurde noch vier oder fünf weitere Mal durchgeführt bis dann irgendwann doch mal das Licht angeschaltet wurde. Zwischendurch sang der ergraute Saxophonist der Band ein Lied über seinen Pillermann[sic!], den er unter seinen Fettröllchen nicht mehr sehen könnte, was ein lokaler Klassiker zu sein schien. Verstörend. Aber so ist das hier halt. Immerhin für einen guten Zweck.





