Archiv für Februar 3, 2008

Helau (mit Hass gekocht)

Mein erster (und hoffentlich letzter) Karnevalsumzug. Das Wetter war schön, irgendein bekloppter Nachbar terrorisierte seit einer Stunde das ganze Haus mit Gitarrenübungen (plong, ploooong, plingplong, pling… ad nauseam) und den Lärm hätte ich eh gehört.

Ich gebe zu, mir fehlt sowohl die Sozialisation als auch der “Humor”, um Karneval auch nur annähernd zu begreifen und/oder zu mögen, obwohl ich mich gern verkleide. Ich kann ja auch weder über deutsches Polit-Kabarett noch über RTL-Comedy lachen, was wahrscheinlich Teil meines Problems mit Karneval ist.

Nunja, trotzdem stand ich also vor dem Haus und spielte mit dem Gedanken, den SUV meines Nachbarn, der mal wieder illegalerweise im Hauseingang geparkt war, im ganzen Trubel zu demolieren. Leider war genau hier die Menschenmenge besonders dünn (man demolierte lieber kollektiv den Brunnen). Es gab ein paar Kamelle (bzw. Eukalyptus-Bonbons, sehr praktisch bei meinem momentanen Halsbonbon-Verbrauch), keine kostenlose Bratwurst (ich wollte mich nicht mit kampfbereiten Rentnern kloppen) und kein kostenloses Bier (weil selbst kostenlos noch zu teuer für das lokale Bier ist). Außerdem gab es sympathisch-dilettantische Wagen zum Thema “Doping” zu sehen, einen unverständlichen Wagen mit einer verstörenden Hexen(?)-Pappfigur mit einer Fackel in der Hand, die beinahe vom Wagen fiel, und diverse unsympathisch-dilettantische Wagen zum Thema Olympia, auf der sich Leute mit gelbschminkten Gesichtern, “chinesischen” Hüten, “typischen” Bärten und Zähnen und seltsamen gelben Kunstseidenroben mit “chinesischem” Gekrakel tummelten. Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass die Roben in China hergestellt wurden, schon sehr groß ist, auch wenn leider keine lustigen Sachen darauf geschrieben waren (ich würde ja eine Faschingskollektion mit Roben entwerfen, auf denen “wer das liest, ist doof”, “der Träger ist leider im 19. Jahrhundert stecken geblieben” und “Karneval ist nicht lustig” steht). Jedenfalls betrüblich, dass Leuten, die ein Jahr Zeit haben, sich etwas kreatives auszudenken, nichts besseres einfällt, als auf ekelhafte Stereotypen des 19. Jahrhunderts zurückzugreifen. Allerdings sind ja auch noch andere Orte in Thüringen (hallo Weimar! oh, how I loathe thee…) im 19. Jahrhundert steckengeblieben, da braucht man sich nicht zu wundern.

Fazit:

Bratwurst statt Kamelle, ganz prima (und auch prima- die Platzierung des Lichtflecks rechts):

Und falls ich mal ganz viel Zeit haben sollte, lese ich auch das hier noch komplett:
Tsingtao- Ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in China 1897-1914

Klaus Mühlmann- Herrschaft und Widerstand in der Musterkolonie Kiautschou

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