TFF, WTF?

Bonnie “Prince” Billy war großartig. Allerdings kriegt mich auch jeder, der seine Songs mit Gestik singt (siehe meine unerklärliche Faszination mit Billy Corgan, obwohl der wirklich seit ungefähr 2002 keinen einzigen guten Song mehr veröffentlicht hat) und seine Stimme innerhalb einer Zeile brechen kann (siehe auch Jeff Tweedy, ah, Jeff Tweedy!). Diese Menschen lassen allerdings an einer Hand abzählen lassen.

However: There are times when I look at people and I see nothing worth liking.

Kiffende Dreadlock-Hippies in müffeligen Plastik-Regenjacken (obwohl es trocken war) mit vollgestopften Rucksäcken, die sie einem unabsichtlich (?) ins Gesicht drücken und Regenschirmen, die dann auch noch das ganze Konzert über reden müssen- da gibt es nicht mehr viel, was dazu kommen muss, um diese Personen noch mehr zu hassen (vielleicht noch zwei Trolleykoffer mit billigen Rollen und ein Che Guevara-Shirt, wobei das wahrscheinlich unter der Regenjacke verborgen war).

Und wer auch immer das hinter mir war, der sich darüber beschwerte, dass die Musik nach Country klingen würde, das Festival nennt sich “Weltmusik.Folk.Roots” (normalerweise Grund genug, schreiend wegzulaufen, ich weiß, aber Bonnie “Prince” Billy!). Und wenn da Country nicht hineinpasst, lasse ich mir heute noch eine Konföderationsflagge über mein Herz tätowieren (classy!) und ziehe in einen Trailerpark nach Arkansas, weil ich mich dort zumindest bewaffnen kann und jeden einzelnen anti-amerikanischen Pansen erschießen kann. U!S!A! Und wo wir dabei sind, wer ebenfalls diese Woche gestorben wäre, wenn Blicke denn hätten töten können (warum eigentlich nicht?), war der Pseudo-Informatiker (der noch nicht mal simple Logik-Operatoren verstand, aber das ist eine andere Geschichte), der behauptete, er würde eh nicht in die USA einreisen dürfen (vermutlich wegen seiner l33t hAckoR sKillZ); nicht, dass er es jemals versuchen würde, denn die seien so ungastlich. Damit hat er natürlich völlig recht, denn wie jeder afrikanische Immigrant in einem spanischen Flüchtlingscamp und jede Familie in Abschiebehaft bestätigen kann, nehmen “wir” die poor and huddled masses mit offenen Armen auf. Fuck you. Von gleicher logischer Präzision war sein Argument, dass Linux durch die vermehrte Benutzung verunreinigt würde, weil dann Leute auf die Idee kommen würden, Spy-Ware und ähnliches zu programmieren. Meinen Hinweis, dass die Leute, die die Spy-Ware programmieren, die Personen seien, die das System verunreinigen würden (mal ganz abgesehen davon, dass Spy-Ware “nur” bedeutet, dass das System nicht so perfekt ist, wie man gern glauben möchte- Windows ist da zumindest ehrlich) und nicht die User, die auf so etwas reinfallen, verstand er leider nicht. Oh well. When I am king, you will be first against the wall.

Aber zurück zum TFF. Nicht ganz so hassenswert, eher völlig unverständlich sind mir Eltern, die ihre Kinder zu einem in keiner Weise kindgerechten Konzert mitnehmen, das um Mitternacht beginnt. Aber lieber schreiende Kinder als schwafelnde Hippie-Pansen (im Zweifelsfalle auch lieber Pisse-werfende Affen in Manchester als selbstgerechte Arschlöcher).

Besonders bizarr war außerdem, dass es mir um 23 Uhr leider nicht mehr möglich war, eine Karte zu kaufen, weil die Kasse, die ich nach längerem Umherirren fand- Ausschilderungen sind offensichtlich für Anfänger- zwar geöffnet war, aber nicht besetzt. Der Security war mein fehlendes Bändchen allerdings auch scheißegal, so dass ich dann eben nichts für das Konzert bezahlt habe und stattdessen eine CD gekauft habe, so dass mein Geld zumindest direkt den Künstlern zugekommen ist.

Hinzu kommt noch diese komplette und alles durchdringende DDR-Spießigkeit (deutlich abzugrenzen von z. B. schwäbischer Spießigkeit, die selbstredend auch komplett entsetzlich ist), deren “Weltgeist” sich auf die eigenen vier Wände beschränkt. (Dies ist allerdings ein Punkt, der noch weiter zu erläutern wäre, in 11000 Wörtern und mehr. Zur Vorbereitung sei auf “Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift.” von Dietmar Dath verwiesen.)

Ich bedauere doch ein wenig, nicht mein komplettes Geld in die Subskriptionsausgabe der gesammelten Werke Thomas Bernhards investiert zu haben.

Antworte auf diesen Post.