Archiv für Bratwurst

Nicht mehr alle T-Shirts im Schrank

(oder auch “heroes become weak”, wenn das nicht so offensichtlich wäre).

Kurzfassung: Ein ernsthafte Kandidat für das schlechteste Lied des Jahres: The Streets - The Escapist [via Popjustice] Fookin’ pile of wank.

Ganz im Ernst, ich höre lieber zwei Stunden Landeswelle Thüringen, Jürgen Drews oder Bratwurstkonzerte als noch einmal dieses “Lied”. Uargh. Und jetzt entferne ich die The Streets-T-Shirts aus meinem Kleiderschrank.

Langfassung: “Original Pirate Material” ist vielleicht mein liebstes Album von 2002 (neben “Release”, “Turn on the Bright Lights” und “One by One”). 2002 bestand mein musikalisches Sommerreisegepäck aus vier MiniDiscs: Original Pirate Material, Release, Actually und Behind The Music, die ich fünf Wochen lang gehört habe. 2003 habe ich jemanden sehr damit beeindruckt, dass ich die kompletten Texte zu sämtlichen Liedern auswendig konnte. 2003 bin ich hauptsächlich zum Terremoto-Festival* gefahren, um Freitag, 19 Uhr im strömenden Regen The Streets zu sehen. Und es war großartig! 2004 muss ich das Album immer noch mit Begeisterung gehört haben (falls mein iPod noch leben würde, wüsste ich genaueres), denn wenn ich an Shek O denke, fällt mir als allererstes “Weak Become Heroes” ein, warum auch immer.

However, 2004 erschien auch “A Grand Don’t Come For Free”, was allgemein begeistert aufgenommen wurde, sich mir aber nicht erschloss (mal von “Fit But You Know It” abgesehen). Das mag aber auch daran liegen, dass das Album (und insbesondere “Dry Your Eyes”, ich könnte kotzen) gar nicht für mich geschrieben wurde (bzw. nur als Warnung, die ich leider nicht begriffen habe), sondern für passiv-aggressive Männer zwischen 20 und 40, die es leider nicht geschafft haben, erwachsen zu werden. Das erklärt auch die Begeisterung der Musikjournalisten.  Aber immerhin waren die Beats gut. Und man soll ja auch den Künstler nicht mit seinem Werk verwechseln- P.T. Anderson ist ja auch kein schlechter Regisseur, nur weil ich Jahre meines Lebens mit jemandem verschwendet habe, der sich exakt wie die Hauptperson aus “Punch-Drunk Love” verhielt und ich deswegen den Film nur schwer ertragen konnte (Run, Lena, run!). Also hooray für diese erkenntnisreiche Studie passiv-aggressiven Verhaltens. Und wenn man nicht zu lange/gar nicht darüber nachdenkt, dann ist das Album auch nicht schlimmer als “Imitation of Life” (übrigens, Landeswelle Thüringen, von den vielen, vielen R.E.M. -Songs, warum läuft immer nur dieses Lied bei euch, wenn ich euren Sender in der Videothek ertragen muss? Damit ich mehr Slasher-Filme ausleihe? Ach so, dachte mir das schon.) oder das Billy Corgan-Soloalbum (muahahaha).

Dann, 2006: The Hardest Way To Make An Easy Living. Nun ja, das Äquivalent zu “Standing On The Shoulder Of Giants”, und das war ja auch kein völlig schlechtes Album, z. B. war das Cover sehr hübsch und man könnte es sich einigermaßen schnell schön hören. Und die Beats waren immer noch ganz gut.

Nun dieses Lied. Uargh. It’s utter shite. Nein, mehr noch. Es ist so schlecht, dass ich nicht glauben mag, dass dieselbe Person “Let’s Push Things Forward” geschrieben hat. Und noch schlimmer, es ist so schlecht, dass ich jegliches Interesse, like, forever and ever an The Streets verloren. Oy!

[Beim nochmaligen Lesen klingt das noch viel zu harmlos, aber der Schock sitzt so tief, dass ich keine klaren Gedanken fassen kann. Es ist alles noch viel schlimmer. "If you'd been a dog they would have drowned you at birth." So schlimm.]

* Andere Künstler dort: Limp Bizkit, Linkin Park, Die Ärzte und der erste Auftritt von Billy “no” Talent. Ja, der Campingplatz war unerträglich, außerdem komplett überfüllt. Immerhin fand das Festival danach nicht mehr statt, was definitiv gut ist.

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Die Bratwurst war lecker, aber sonst…

Zum vierten Mal “Wind of Change”. Ich hasse das Altstadtfest. Viel mehr allerdings noch die Tatsache, dass ich momentan keine alkoholischen Getränke vertrage. Hilfe!

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Hurra!

Das Bratwurstkonzert ist wieder da. Bonus: Mein grenzdebiler Nachbar pfeift asynchron und atonal dazu.

Edit: Und jetzt heult das Baby von gegenüber. Musste ja so kommen.

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Helau (mit Hass gekocht)

Mein erster (und hoffentlich letzter) Karnevalsumzug. Das Wetter war schön, irgendein bekloppter Nachbar terrorisierte seit einer Stunde das ganze Haus mit Gitarrenübungen (plong, ploooong, plingplong, pling… ad nauseam) und den Lärm hätte ich eh gehört.

Ich gebe zu, mir fehlt sowohl die Sozialisation als auch der “Humor”, um Karneval auch nur annähernd zu begreifen und/oder zu mögen, obwohl ich mich gern verkleide. Ich kann ja auch weder über deutsches Polit-Kabarett noch über RTL-Comedy lachen, was wahrscheinlich Teil meines Problems mit Karneval ist.

Nunja, trotzdem stand ich also vor dem Haus und spielte mit dem Gedanken, den SUV meines Nachbarn, der mal wieder illegalerweise im Hauseingang geparkt war, im ganzen Trubel zu demolieren. Leider war genau hier die Menschenmenge besonders dünn (man demolierte lieber kollektiv den Brunnen). Es gab ein paar Kamelle (bzw. Eukalyptus-Bonbons, sehr praktisch bei meinem momentanen Halsbonbon-Verbrauch), keine kostenlose Bratwurst (ich wollte mich nicht mit kampfbereiten Rentnern kloppen) und kein kostenloses Bier (weil selbst kostenlos noch zu teuer für das lokale Bier ist). Außerdem gab es sympathisch-dilettantische Wagen zum Thema “Doping” zu sehen, einen unverständlichen Wagen mit einer verstörenden Hexen(?)-Pappfigur mit einer Fackel in der Hand, die beinahe vom Wagen fiel, und diverse unsympathisch-dilettantische Wagen zum Thema Olympia, auf der sich Leute mit gelbschminkten Gesichtern, “chinesischen” Hüten, “typischen” Bärten und Zähnen und seltsamen gelben Kunstseidenroben mit “chinesischem” Gekrakel tummelten. Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass die Roben in China hergestellt wurden, schon sehr groß ist, auch wenn leider keine lustigen Sachen darauf geschrieben waren (ich würde ja eine Faschingskollektion mit Roben entwerfen, auf denen “wer das liest, ist doof”, “der Träger ist leider im 19. Jahrhundert stecken geblieben” und “Karneval ist nicht lustig” steht). Jedenfalls betrüblich, dass Leuten, die ein Jahr Zeit haben, sich etwas kreatives auszudenken, nichts besseres einfällt, als auf ekelhafte Stereotypen des 19. Jahrhunderts zurückzugreifen. Allerdings sind ja auch noch andere Orte in Thüringen (hallo Weimar! oh, how I loathe thee…) im 19. Jahrhundert steckengeblieben, da braucht man sich nicht zu wundern.

Fazit:

Bratwurst statt Kamelle, ganz prima (und auch prima- die Platzierung des Lichtflecks rechts):

Und falls ich mal ganz viel Zeit haben sollte, lese ich auch das hier noch komplett:
Tsingtao- Ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in China 1897-1914

Klaus Mühlmann- Herrschaft und Widerstand in der Musterkolonie Kiautschou

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Verstörende Zufälle, heute: Nichtsahnend das Fenster geöffnet, 5 Sekunden später begann das Bratwurstkonzert. Brr. Hoffentlich zum letzten Mal dieses Jahr. Immerhin bisher ohne Gesang.

Edit 1: Mein Blog hat jetzt ein wohlverdientes Bratwurst-Tag.

Edit 2: Ich habe beim Taggen der alten Einträge festgestellt, dass letztes Jahr das letzte Konzert des Jahres erst im Oktober war. Aaaargh!

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Ein Update, ein Update!

Kurzes Film-Bla:

Internationales Trickfilm Festival Stuttgart: Unübersichtlich. Bill Plympton war super, seine Filme auch. Princess hingegen war der schlechteste Film, den ich seit L. A. Crash gesehen habe. Ein prätentiös-moralisches Meisterwerk, das Leuten, die L. A. Crash ganz doll nachdenklich fanden, super gefallen müsste. Bitte nicht ansehen, das Leben ist zu kurz für solche Filme.

Robert Altman’s Last Radio Show (bzw. A Prairie Home Companion) hat zwar einen seltsamen deutschen Titel, ist aber ein ganz wundervoller, warmherziger Film, der einen schmerzlich daran erinnert, was für ein großer Verlust der Tod von Robert Altman ist. Der Film erinnert in seiner Altersweisheit und Todesvorahnung an die letzten Johnny Cash-Platten, und ist ebenso traurig und gleichzeitig tröstlich, melancholisch und doch hoffnungsvoll- also in jeder Sekunde so großartig, wie es Dominik Grafs Artikel (in der FAZ vom 11.4.07, leider kostenpflichtig) hoffen ließ. Überhaupt: Ich schätze zwar Dominik Graf als Regisseur nicht sonderlich, aber seine Artikel über Filme sind fantastisch.

Ansonsten:

-Ich habe jetzt eine Karte für Rock im Park (Oh Schreck!), und ich freue mich wie bescheuert auf die Smashing Pumpkins (Oh Schreck, oh Schreck!). Und das ist mir noch nicht mal peinlich (Oh Schreck!)³! Das Wort “Schreck” sieht übrigens sehr merkwürdig aus.

- Der hässlichste Becher der Welt (natürlich nicht der Snooker-Becher im Hintergrund):

- Bratwurstkonzert- jetzt mit Gesang. Ein Grauen. Ich verdränge dieses Event immer über den Winter und bin dann immer wieder aufs Neue schockiert.

- Spitzenmäßig wie jedes Jahr: das Freibad. Bei schlechtem Wetter schön leer, dabei fühlen sich bei 13°C Außentemperatur die 23°C Wassertemperatur mindestens wie 30°C an.

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Uärgs

Zum ersten Mal seit 11 Monaten wieder in der Mensa gegessen. Erstaunlicherweise keine allergische Reaktion, dafür Bauchschmerzen und Übelkeit. Ok, bei “Würzfleisch mit Reibekäse, Salatbeilage, Pommes frites” vielleicht nur halb verwunderlich, aber trotzdem. Wäääh! Dabei ist dieses Gericht in seiner Perversion (an Katzenfutter erinnernde Fleischbröckchen unbekannter Herkunft + geriebenen Billig-”Käse” + Zitrone) eines der interessantesten Gerichte, die Mensa zu bieten hat.

Verschlimmert wird mein Zustand durch das hoffentlich letzte Bratwurstkonzert des Jahres, das dieses Mal sogar eine Sängerin neben der üblichen Blasmusik zu bieten hat. Büargs.

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Bratwurst Hallelujah

So. Das Bratwurstkonzert soll entweder bitte sofort aufhören oder es soll ein Blitz auf dem Apothekerbrunnenplatz einschlagen. Ist ja nicht mehr auszuhalten! Jetzt geht das schon länger als 30 Minuten!
(Falls noch jemand kein Geburtstagsgeschenk hat: Ein Luftgewehr könnte ich auch gut gebrauchen. Oder sehr viele Wasserbomben.)

Da hilft nicht mal mehr Kittenwar.

Update: Aaaaaaaaargh! Die können gar nichts. Die Blasmusik-Version von “Somewhere Over The Rainbow” ist die schlimmste Cover-Version ever! Nicht mal saubere Töne können die. Ich lauf hier gleich Amok, wenn da nicht bald Ruhe ist.

Update 2: Immer noch! Warum regnet es nie, wenn man es gebrauchen könnte!

Update 3: Ey, das geht jetzt schon über eine Stunde so. Fresse da draußen!

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Everyday Is Like Sunday (Rock im Park 2006)

Als ich um 11 Uhr morgens losfuhr, begann gerade die Blasmusik. Da wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Dank der neuen, wunderschönen A71 war der Weg nach Nürnberg auch denkbar einfach (auch wenn man dabei an Suhl vorbeifahren muss). Auch die Entscheidung, am Hauptbahnhof zu parken und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum “Park” zu fahren, stellte sich als richtig heraus.

Am der S-Bahn-Station “Duzendteich” angekommen, brauchte man auch nur noch den Schildern “Reichsparteitagsgelände” zu folgen, um das Festival zu finden, was ich ziemlich “creepy” fand. Aber natürlich bietet sich so eine riesige Fläche für ein Festival an, zumal dieses Jahr wegen der WM das Franken Easy Credit-Stadion (sensationeller Name für ein Fußballstadion) nicht benutzt werden darf (außerdem hätten die ganzen Metallica-Fans da auch nicht reingepasst). Nach problemlosem Kartenkauf und Bändchen-Abholung ging es zur Alterna-Stage. Aufgrund der Größe des Geländes war es eigentlich nicht möglich, zwischen den Bühnen hin und her zu wechseln, zumal man immer wieder durch die Security musste. Nervig. Allerdings spielte auf den anderen Bühnen auch kaum etwas, was mich interessierte (Reamonn, anyone? The Darkness? Irgend’ne 08/15-Emoband?). Vor dem eigentlichen Eingang waren die unvermeidlichen Billig-Piercing-, Traumfänger- und sonstigen Hippie-Ramschläden aufgebaut. Außerdem gab es einen Bratwurststand, der erstaunlicherweise keine Nürnberger Bratwürste hatte.

Unglaublich! Eventuell eine Thüringer Verschwörung?

Die Alterna-Stage war direkt vor dem Kongresszentrum aufgebaut, einem gigantomanischen, dem römischen Kolosseum nachempfundenen Nazibauwerk, das in den Ausmaßen und der Hässlichkeit an die “Schreibmaschine” in Rom erinnert.

Um 14.30 Uhr war es allerdings noch sehr leer dort. Die Menschen waren wohl eher mit Schrott-Kaufen oder Müll-Machen beschäftigt. Da hinten auf der Bühne spielt Jason Mraz. Die beiden Figuren vorn im Bild spielen Frisbee. Am Bierstand gab es 0,4 Liter Bonaqa, das ekligste Tafelwasser der Welt, für “günstige” 3,30 Euro. Ich habe dann mal nichts gekauft.

Nun aber zu den Bands:

Jason Mraz: Ungefähr zu Hälfte gesehen. Wenig Leute da, dafür eine Menge “echte” Fans vor der Bühne. Klang alles sehr eingängig und passte zum großartigen Wetter.

Dresden Dolls: Habe ich nun schon zum dritten Mal auf einem Festival gesehen. Der erste Auftritt 2004 im Spiegelzelt in Haldern um 1 Uhr nachts ist unerreicht. Da stimmt wirklich alles: Ambiente, Stimmung, Publikum. Bei Tageslicht ist es da schon etwas schwieriger, aber dank einer starken Setlist (inklusive einer Coverversion des NDW-Hits “Eisbär” von Grauzone. Auf Deutsch!) und ein paar Hardcore-Fans mit Plakaten ein gelungener Auftritt. Auch war die Länge des Auftritts ideal, länger als 45 Minuten ertrage ich die nämlich nicht so recht.

Babyshambles: Warten auf Pete Doherty. Das Gelände füllte sich plötzlich mit Menschen. Und nach kurzer Umbaupause erschien erst ein Moderator von BigFM (oder so ähnlich), den ich gerne mit dem Inhalt eines Dixie-Klos beworfen hätte, um die Band anzukündigen, und dann wirklich Mr. Doherty himself mit seiner Band. Pünktlich.

Sowas wie ein Beweisfoto von relativ weit hinten innerhalb der ersten Absperrung. Das in der Mitte ist Pete im rosa Pullover mit Hut. Sehr schick. Er wirkte auch gesünder als erwartet, Bobby Gillespie von Primal Scream ist deutlich kaputter als der (aber nichtsdestotrotz ziemlich super meistens). Und die Songs klangen auch sehr gut. Highlight des Auftritts war “Time For Heroes”, wo sich ein erster richtiger Moshpit des Tages bildete und lauthals mitgesungen wurde.

Sehr schön war auch, dass Pete am Ende des Auftritts, als ihm untersagt wurde, noch ein Lied (Fuck Forever) zu spielen, das Mikro in die Menge warf, woraufhin eine Mini-Riot entstand, bis das Mikro zurück auf der Bühne war, um dann wieder von Pete in die Menge geworfen zu werden. Ey, Rock’n'Roll, ey.

Tomte: Am Tag vorher in Jena gesehen. Der Auftritt war leider fast identisch, nur die Setlist dieses Mal ein wenig kürzer. Die Reihenfolge der Songs war identisch. “So soll es sein” klang genauso doof wie in Jena. Und Thees erzählte sogar dieselbe Geschichte, was ich etwas traurig fand. Die Tomte-Army war trotzdem begeistert, zum ersten Mal wurden Frauen auf Schultern gehoben, um anderen die Sicht zu versperren.

Paul Weller: Das erste Highlight des Tages. Der erste gut sitzende Anzug (Zweireiher mit Bronzeknöpfen). Der Modfather (ha, erst der Modfather und dann der Mozfather, NME-Leser lachen hier ein bisschen) mit kleiner Band, Top-Frisur und exzellenter Laune. Das Publikum schien erst skeptisch, später begeistert. Ich hatte mich mittlerweile in die erste Reihe vorgearbeitet, weil die Tomte-Army verschwunden war (zu Reamonn, presumably) und freute mich über ein sehr ausgewogenes Set voller Hits von mit “From The Floorboards Up” über “Wild Wood” bis “A Town Called Malice”. Letzteres war eher seltsam, da Wellers Gitarre nach den ersten Akkorden nicht mehr mitmachte und so der Song mehr vom Rest der Band improvisiert wurde. Das sehr textsichere (vermutlich britische) Publikum ließ sich von solchen Kleinigkeiten allerdings nicht stören und sag lauthals mit. [Und, lieber Radio-Idiot: Das neue Album von Paul Weller ist ein Live-Album von der letzten Tour. Da sind keine neuen Stücke drauf. Depp.]

Aus der ersten Reihe. Hoch!

David Gray: Der minderwertige Ersatz für Richard Ashcroft, der immer bei den Festivals absagt, zu denen ich fahre. Glücklicherweise war ich vor David Gray gewarnt worden, so dass ich in der Zeit das restliche Gelände erkundete. Oh, wie abgewrackt. Es sah aus, als hätte wirklich überall jemand hingekotzt. Und natürlich war der Boden mit Bierflaschen-Scherben übersät (genau wie beim Altstadtfest). Was bin ich froh, nicht auf diesen Parkplätzen geparkt zu haben! Währenddessen plärrten die blöden Reamonn (nein, kein Link) “Supergirl”, was auch sonst. Ich floh wieder zur Alterna-Stage, auf der Mr. Gray immer noch rumjammerte und dabei sehr nervig mit dem Kopf wackelte. Zwei, drei Lieder war es erträglich, dann machten mich die ganzen Pärchenmenschen und das generelle Rumgeschunkele aggressiv.


Außerdem entdeckte ich die ersten Jamiroquai-Fans in der ersten Reihe mit wahrscheinlich selbstgebasteltem Kopfschmuck. Vielleicht gab’s sowas auch bei den Hippie-Buden zu kaufen. Verdeckt David Gray, der immerhin auch einen schönen Anzug trug. Angeblich stammt der ja auch Manchester, was normalerweise ausreicht, damit ich Künstler mag (mit Ausnahme von Simply Red). In diesem Fall hilft es nicht.

 

Nelly Furtado: Nelly Furtado oder Metallica, das war die große Frage. Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung, bei Nelly zu bleiben, da bei Metallica so dermaßen viele Menschen gewesen sein müssen, dass ich weder was gesehen hätte, noch rechtzeitig da wieder weggekommen wäre. Außerdem konnte man zur Musik tanzen, was gut gegen Rückenschmerzen und andere Festival-Leiden ist. Nelly Furtado wirkte sehr sympathisch auf der Bühne, trotz einiger technischen Probleme mit dem Mikro (vielleicht das von Pete vorher?). Auch hatte sie eine tolle Band, einen MC und eine etwas unheimliche Tänzerin dabei. Die mehr hiphop-lastigen Stücke gefielen mir sehr viel besser als die Radio-Pop-Sachen wie “Powerless”. Und gerade als ich mir eine fantastische Coverversion von “Buffalo Stance” oder “Manchild” von Neneh Cherry erträumte, geschah das Unfassbare: Sie kündigte ihre “German friends from Reamonn” an. Aaargh! Da war es auch schon zu spät, den Blick von der Bühne zu wenden und der eklige Sänger und der nicht minder eklige Gitarrist standen da und jaulten bei einem Song mit. Inferno! Eine Kotztüte bitte! Nachdem die dann wieder weg waren, gab es noch passend zu WM “Forza”, was ein milliardenfach besserer Song (von der EM 2004) ist als dieser Depri-Kram von Herbert Grönemeyer jetzt.

Dann endlich, endlich, endlich die Vorbereitungen für Morrissey, weswegen ich überhaupt nach Nürnberg gefahren war. Die echten Morrissey-Fans (mit Morrissey-Quiff und ausgewaschenem original 80er Jahre The Smiths-T-Shirt) rückten vorn zusammen, ich erkämpfte mir einen Platz in der Mitte der zweiten Reihe, auch deswegen, weil neben mir die dämlichen Österreicher um die 40, die mich schon bei Nelly Furtado (”voll supi”) mit ihrem sinnlosen Gelaber genervt hatten (trotz Ohrenstöpsel), mit dem Namen nichts anfangen konnten (Hallo? Was verpasst in den 80ern?) und vor Jamiroquai (”auch voll supi”) nochmal einen Rundgang machen wollten. War auch besser so.

Als letzter Song vor dem Auftritt wurde “You Never Walk Alone” gespielt, was schon fast an Blasphemie grenzt, die FC Liverpool-Hymne vor dem Auftritt eines vermutlichen Manchester United-Fans zu spielen (an dieser Stelle auch die absolutes Unverständnis, wie die sonst so kompetenten Menschen von 11Freunde in ihrer letzten Ausgabe behaupten konnten, dass sei eine neue Entwicklung, dass dieser Song in Liverpool gesungen wird. Sofort rausschmeißen, diesen Praktikanten!) . Das Publikum gröhlte jedenfalls begeistert mit. Hauptsache Fußball. Überhaupt war die Stimmung exzellent. Es hilft doch immer, einen Haufen Briten im Publikum zu haben. Nach langen “Morrissey, Morrissey, Morrissey”-Chants erschien er dann auch in perfekt sitzendem Anzug, gelbem Shirt und mit Rose im Revers. Die Band war selbstverständlich auch perfekt gekleidet. Was dann geschah, ging viel zu schnell vorbei. Zunächst “Panic”, was allein schon die Reise rechtfertigte, dann einige neue Songs, die noch viel besser als auf dem Album klangen, dann “Girlfriend In A Coma”, “Let Me Kiss You”, ein sensationelles “I Will See You In The Far-Off Places”, “How Soon Is Now” und als fantastischen Abschluss “Irish Blood, English Heart”. Kein “Everyday Is Like Sunday”, kein erhofftes “Life Is A Pigsty”, was mir allerdings erst fünf Stunden später auffiel. Fantastisch auch die Umsetzung der Songs mit Gestik und Mimik. Das Publikum (und ich) war entsprechend euphorisch, und auch Morrissey schien sehr gut gelaunt. Ich war innerhalb kürzester Zeit komplett weggetreten, wie man auch an diesem Bild sieht:

Blinded by the lights und so…

Nach einer Stunde war leider schon Schluss, ohne Zugaben, da ja der nervige Jamiroquai noch auftreten musste. Ich bin also so schnell wie möglich aus der Menge geflohen, was nicht ganz leicht war, da Metallica ungefähr zeitgleich fertig waren, und unendliche Massen mir entgegen strömten. Irgendwann gelang ich dann endlich in den Strom zu S-Bahn, die auch schnell kam (Danke WM, dass solche Sachen jetzt hervorragend funktionieren). Mein Auto stand auch noch da, wo ich es abgestellt hatte, vor dem unverständlichen Schild mit den Autobahnen (Warum nicht A3, A9, A73, sondern Städte-Kombinationen wie München/Berlin und Regensburg/Heilbronn? Ich will doch nach Bamberg/Schweinfurt…).

Nach einigen Runden durch die Nürnberger Altstadt gelangte ich aber doch auf eine einigermaßen richtige Autobahn, an der es allerdings keine Tankstellen gab. Überhaupt herscht auf dieser Strecke extremer Tankstellen-Mangel. Mal von dem einen Autohof bei Knetzgau abgesehen, der mich dann rettete (Warum sind bitte um 1 Uhr in Nürnberg die Tankstellen auf dem Weg zur Autobahn zu?). Danach fuhr sich der restliche Weg äußerst entspannt. Besonders übermüdet freut man sich, dass beim Bau der A71 Kurven und Anstiege vermieden wurden und entweder Bergkuppen mit Talbrücken verbunden oder Tunnel gebaut wurden. Immer nur schön gerade aus.

Ein abschließendes Fazit? Es hat sich gelohnt, obwohl ich heute komplett “durch” war und weder denken noch schreiben konnte. Zu “Rock im Park” würde ich allerdings nur im absoluten Ausnahmefällen wieder fahren und unter keinen Umständen dort campen, denn die Camping-Plätze sind echt abgewrackt. Dagegen ist das Hurricane wirklich sauber und ordentlich (hahaha!). Und jetzt gehe ich schlafen.

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Verdrängen hilft nichts: Altstadtfest 2006, Teil 1

Trotz des miesen Wetters, das eben zumindest das heutige Bratwurstkonzert vorzeitig beendet hat, wird schon unerbittlich für das zweite Fußgängerzonen-Highlight des Jahres aufgebaut. Das erste Event der Spitzenklasse, den Autofrühling, hatte ich leider wegen der Nippon Connection verpasst. Nun drohen Bierstände, Bowle-Stände und vieles mehr ab morgen mit musikalischen und geruchlichem Inferno. Und zu allem Überfluss soll es morgen mal nicht regnen.
Zur Einstimmung gab es schon heute im Kaufland einen Stand mit den unglaublichsten Keramik- und Glas-Grausamkeiten, die man sich nur vorstellen kann (oder auch nicht); alles nur 2 Euro. Leider kenne ich niemanden, der demnächst Polterabend feiert, sonst hätte ich zugeschlagen (also, nicht wörtlich, wobei ich das auch gerne getan hätte).

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