Kann es sein, dass ungefähr jeder einen Skype-Account besitzt, nur ich bisher nicht? Erstaunlich.
Archiv für Kleinstadtleben
Arg!
Man sollte ja meinen, dass Ingenieure und Informatiker, wenn sie sich schon nicht gut ausdrücken können, doch zumindest ein gewisses Verständnis für Logik aufbringen und deswegen durchaus den Unterschied zwischen “Dieses Kriterium soll erfüllt werden” und “Dieses Kriterium sollte erfüllt werden” begreifen. Alas, das ist nicht der Fall. Immerhin habe ich Rechtschreibungfehler gefunden, die weder die normale Word-Rechschreibprüfung noch das Duden-Add-On (nicht meins, mein Duden ist immer noch in gebundener Form, alles andere ist nicht Scrabble-geeignet) gefunden hat. Hurra!
Ob es wohl auffällt, wenn ich “welfare” in “warfare” umwandle?
Channelling Thomas Mann, oder auch: keine Angst vor Nebensätzen
Da mir versprochen wurde (neben größeren Mengen Bier und Bratwurst), dass ich das englische Abstract für die Bibliothek schreiben dürfe (und da es das Thema hergibt, dass ich ausgiebig den Thesaurus wälzen kann, um ein resolutely highbrow abstract zu schreiben, was dann von niemanden hier mehr verstanden wird, oh joy!), lese ich gerade die dazugehörige Diplomarbeit Korrektur.
Das ist an sich noch keine bemerkenswerte Tatsache, denn in den letzten Jahren habe ich alle paar Monate ähnliches getan, was nicht nur manchmal meine Nerven strapaziert, sondern mir auch William Carlos Williams (amazing) näher gebracht hat, neben einigem anderen.
Jedenfalls: Die aktuelle Arbeit ist eine Ansammlung von Hauptsätzen mit durchschnittlich acht Wörtern (dieser Satz enthält bereits mehr), die akkurat durch Punkte getrennt sind. Von Nebensätzen keine Spur. Sehr minimalistisch. Es liest sich wie ein Telegramm. Ein sehr langes Telegramm. Ein sehr antrengendes Telegramm. Man möchte es eher ungern lesen. Wahrscheinlich ist das der persönliche Stil des Autor. Auch wenn besagter Autor ganz anders redet. Jedenfalls bin ich sehr versucht, die gesamte Arbeit mit Nebensätzen zu versehen. Wenn die nicht 80 Seiten lang wäre und man ja, wenn man so etwas versucht, es auch gründlich machen muss.
Oder kurz gesagt: Ich zerkaue gerade einen Stabilo point 88/36 (grün), der hoffentlich ungiftige Farbe enthält, um meine Nerven zu beruhigen.
TFF, WTF?
Bonnie “Prince” Billy war großartig. Allerdings kriegt mich auch jeder, der seine Songs mit Gestik singt (siehe meine unerklärliche Faszination mit Billy Corgan, obwohl der wirklich seit ungefähr 2002 keinen einzigen guten Song mehr veröffentlicht hat) und seine Stimme innerhalb einer Zeile brechen kann (siehe auch Jeff Tweedy, ah, Jeff Tweedy!). Diese Menschen lassen allerdings an einer Hand abzählen lassen.
However: There are times when I look at people and I see nothing worth liking.
Kiffende Dreadlock-Hippies in müffeligen Plastik-Regenjacken (obwohl es trocken war) mit vollgestopften Rucksäcken, die sie einem unabsichtlich (?) ins Gesicht drücken und Regenschirmen, die dann auch noch das ganze Konzert über reden müssen- da gibt es nicht mehr viel, was dazu kommen muss, um diese Personen noch mehr zu hassen (vielleicht noch zwei Trolleykoffer mit billigen Rollen und ein Che Guevara-Shirt, wobei das wahrscheinlich unter der Regenjacke verborgen war).
Und wer auch immer das hinter mir war, der sich darüber beschwerte, dass die Musik nach Country klingen würde, das Festival nennt sich “Weltmusik.Folk.Roots” (normalerweise Grund genug, schreiend wegzulaufen, ich weiß, aber Bonnie “Prince” Billy!). Und wenn da Country nicht hineinpasst, lasse ich mir heute noch eine Konföderationsflagge über mein Herz tätowieren (classy!) und ziehe in einen Trailerpark nach Arkansas, weil ich mich dort zumindest bewaffnen kann und jeden einzelnen anti-amerikanischen Pansen erschießen kann. U!S!A! Und wo wir dabei sind, wer ebenfalls diese Woche gestorben wäre, wenn Blicke denn hätten töten können (warum eigentlich nicht?), war der Pseudo-Informatiker (der noch nicht mal simple Logik-Operatoren verstand, aber das ist eine andere Geschichte), der behauptete, er würde eh nicht in die USA einreisen dürfen (vermutlich wegen seiner l33t hAckoR sKillZ); nicht, dass er es jemals versuchen würde, denn die seien so ungastlich. Damit hat er natürlich völlig recht, denn wie jeder afrikanische Immigrant in einem spanischen Flüchtlingscamp und jede Familie in Abschiebehaft bestätigen kann, nehmen “wir” die poor and huddled masses mit offenen Armen auf. Fuck you. Von gleicher logischer Präzision war sein Argument, dass Linux durch die vermehrte Benutzung verunreinigt würde, weil dann Leute auf die Idee kommen würden, Spy-Ware und ähnliches zu programmieren. Meinen Hinweis, dass die Leute, die die Spy-Ware programmieren, die Personen seien, die das System verunreinigen würden (mal ganz abgesehen davon, dass Spy-Ware “nur” bedeutet, dass das System nicht so perfekt ist, wie man gern glauben möchte- Windows ist da zumindest ehrlich) und nicht die User, die auf so etwas reinfallen, verstand er leider nicht. Oh well. When I am king, you will be first against the wall.
Aber zurück zum TFF. Nicht ganz so hassenswert, eher völlig unverständlich sind mir Eltern, die ihre Kinder zu einem in keiner Weise kindgerechten Konzert mitnehmen, das um Mitternacht beginnt. Aber lieber schreiende Kinder als schwafelnde Hippie-Pansen (im Zweifelsfalle auch lieber Pisse-werfende Affen in Manchester als selbstgerechte Arschlöcher).
Besonders bizarr war außerdem, dass es mir um 23 Uhr leider nicht mehr möglich war, eine Karte zu kaufen, weil die Kasse, die ich nach längerem Umherirren fand- Ausschilderungen sind offensichtlich für Anfänger- zwar geöffnet war, aber nicht besetzt. Der Security war mein fehlendes Bändchen allerdings auch scheißegal, so dass ich dann eben nichts für das Konzert bezahlt habe und stattdessen eine CD gekauft habe, so dass mein Geld zumindest direkt den Künstlern zugekommen ist.
Hinzu kommt noch diese komplette und alles durchdringende DDR-Spießigkeit (deutlich abzugrenzen von z. B. schwäbischer Spießigkeit, die selbstredend auch komplett entsetzlich ist), deren “Weltgeist” sich auf die eigenen vier Wände beschränkt. (Dies ist allerdings ein Punkt, der noch weiter zu erläutern wäre, in 11000 Wörtern und mehr. Zur Vorbereitung sei auf “Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift.” von Dietmar Dath verwiesen.)
Ich bedauere doch ein wenig, nicht mein komplettes Geld in die Subskriptionsausgabe der gesammelten Werke Thomas Bernhards investiert zu haben.
Short Road To Happiness
Wirklich eine nette Geste: Dass gestern im Café völlig unvermittelt der Song zu meinem T-Shirt gespielt wurde.
(Wobei man anmerken muss, dass dieses Shirt so, äh, figurbetont geschnitten ist, dass man für das Tragen nicht nur einen Song, sondern auch ein Bier spendiert bekommen sollte. Ähem.)
(Und noch mehr happiness: Eben war der Paketbote da und hat mir meine neue USB-Soundkarte gebracht! Endlich wieder Musik am Laptop, woooohoooo!)
Final-Anmerkungen
1. Der Pansen mit der Handynummer, die fast wie meine ist (nur mit einer 6 statt einer 3 und einer zusätzlichen 1 am Ende, bitte mit Telefonterror überziehen, danke), der immer mal wieder gern anruft und dann wieder auflegt, hat sich gerade eben mit “Marta?” (oder so ähnlich) gemeldet, dann aber doch wieder aufgelegt. Hass!
2. Nein, der Menschheit im Allgemeinen zuliebe (warum eigentlich?) bin ich nicht beim Public Viewing. Es ist besser so.
3. Im Kampf debiler Nachbarhund gegen Katze auf dem Nachbardach scheint die Katze zu gewinnen. Team Katze!
4. Mega-Halbzeitsnack: Shrimp-Nudeln (bzw. “Schrimp” laut Packung). Allerdings verstörend: die dunklen “Krümel” in den Nudeln; Sand oder feingemahlene Shrimp-Schalen?
5. SF2, ich liebe dich und deine Kommentatoren, insbesondere den humorlosen Volker Finke. Selbst die Runde mit Berti Vogts/Ahsbahs ist teilweise unterhaltsam, wenn auch nur deswegen, weil ich 90% der Unterhaltung nicht verstehe.
Ach ja, und dank SF2 habe ich erst am nächsten Tag mitbekommen habe, dass beim ZDF das Bild ausgefallen war.
6. Wer auch immer bei den 4 Spielen, die ich im ZDF gesehen habe (und nicht auf SF2), kommentiert hat, bitte verlauft euch in der Sendezentrale in Mainz und findet nie wieder den Weg in ein Stadion. Fernsehgarten, Morgenmagazin, das wär doch auch was.
7. Und noch was: Herr Löw, damals Saison 97/98, 26. Spieltag, HSV-Stuttgart 0:0 im klassischen Hamburger Nieselregen. Der HSV war unfähig, Stuttgart bemühte sich nicht mal, und der Ball konnte nicht ins Tor rutschen, weil er nie in Tornähe kam. Immer noch das schlechteste Fußball-Spiel, das ich je komplett gesehen habe (Schweiz-Ukraine bei der WM 2006 und fast alle UEFA Pokal-Auftritte von Hertha BSC wären noch so Kandidaten, aber diese Spiele habe ich nicht komplett gesehen bzw. mittlerweile komplett verdrängt). Ich hätte als gern kleine Entschädigung ein bis drei maßgeschneiderte weiße Blusen. Ja?
EM-Notizen
Gestern im Globus-Getränkemarkt: Eine Frau mit einem Goleo-Schlüsselanhänger. Ist das schon retro?
Warum wird nach jedem Tor “Samba de Janeiro” gespielt? Gruselig!
Ebenfalls gruselig: dass ich ausgerechnet letzte Nacht von “ Games” geträumt habe. Michael Haneke, Rächer der österreichischen Fußballnationalmannschaft. Wie übersetzt man eigentlich “sick fucker” ins Deutsche? Aber hey, Michael, wenn du mal wieder ein sinnloses Remake deiner eigenen Filme drehen willst, ich hätte da noch ein paar neue Ideen.
In meiner persönlichen Weißbierliga führt übrigens nach 6 Spieltagen Schwarzbacher Sonnen-Weisse knapp vor ;Kapuziner Weißbier, dem wegen der Assoziation mit Mönchshof (brrr) leider einige Punkte abgezogen werden mussten. Weit abgeschlagen, sozusagen das Österreich des Wettbewerbs: Franziskaner Weißbier. Ich wurde heute belehrt, dass dies das absolute Lieblingsbier von Manuel Andrack sei; nun, das erklärt, warum ich Manuel Andrack noch nie mochte. Münchner Titelfavoriten wie Weihenstephan, Hacker-Pschorr (mit Bonus für den Satz “Wann schmeckt das erste Bier? Richtig – am späten Vormittag…” auf der Website) und Augustiner spielen allerdings erst in späteren Runden bzw. wenn ich einen Getränkeladen gefunden habe, der diese Biere führt und keine absurden Öffnungszeiten wie “nur mittwochs von 8 bis 10 Uhr” hat.
Das Bier wird selbstverständlich im Elchglas genossen. Stilecht!
Übrigens vermisse ich meine beiden Lieblings-WM-Produkte: Eisbergsalat in Fußballverpackung und schwarz-rot-goldene Tomaten. Rewe, ey! Immerhin gibt es wieder Fußballbrot.
Ach ja, und dann noch: IVAN KLASNIC!!! Woohoo!
Mmm
Okay, okay, ich widerrufe. Die EM ist doch etwas spannender als ein durchschnittlicher Bundesliga-Spieltag, und ich denke nicht mehr bei jedem Spiel “wenn das jetzt das Championsleague Finale wäre, seufz” und bin mittlerweile sehr in EM-Stimmung. In meinem Delirium habe ich heute sogar den DSF-Doppelpass geguckt, ich gebe den Heuschnupfen-Medikamenten die Schuld. Der Live-Ticker des Guardian erreicht auch wieder das gewohnte sarkastische Niveau. Bonus: Das Mini-Autocorso eben in der Fußgängerzone. Ich hätte doch bei McPfennig (”Sparen wie die Schotten”) eine Türkei-Fahne für kleines Geld kaufen sollen, um mich daran zu beteiligen. Und auch der Fußball-Kommentar auf SF2 ist sehr, sehr gut. Wirklich. Hatte ich irgendwie nach dem Championsleague Finale vergessen. Spitzenausdruck von heute:
Spitalpass nennt der Schweizer einen Pass, den ein Spieler unmöglich erreichen kann, weil dort direkt ein Verteidiger steht, und der Versuch, den Pass zu erreichen, mindestens in einer Kollision oder in einem Foul endet. Anscheinend eine häufigere Spielsituation im Schweizer Fußball.
Nur Fußball-Gucken mit Leuten, die absolut gar keine Ahnung von Fußball haben, sich aber wie die totalen Experten fühlen, das geht gar nicht.
In other news: Mein Zelt steht testweise im Wohnzimmer und müffelt seltsam. Und mein scheinbar neuer Nachbar präsentiert sich nur in Unterhose und mit Hund auf dem Dach des Hauses gegenüber. Immerhin nicht wieder morgens um 6 mit vielen ebenfalls leicht bekleideten Freunden. Hm. Vielleicht sollte ich mich mal beim Mieterbund darüber informieren, wieviel Mietminderung man beantragen kann, wenn sich ein Swingerclub/”Sauna” im Haus befindet.
Nach zwei Tagen Panflöten-Terror vor dem Haus (falls jemand noch ein Geburtstagsgeschenk für mich sucht: eine Axt und ein guter Anwalt, alternativ eine CD mit Wagner-Arien, ich finde meine nicht mehr) habe ich eine völlig neue Lärmtoleranz entwickelt, deswegen mehr Bemerkung als Beschwerde: Wieso schreit das Baby von gegenüber immer genau um 23.30 Uhr? Wenn ich das Kind nicht schon mal gesehen hätte, wäre ich überzeugt, dass es ein Wecker oder ein besonders nerviger Klingelton sei.
Die Bratwurst war lecker, aber sonst…
Zum vierten Mal “Wind of Change”. Ich hasse das Altstadtfest. Viel mehr allerdings noch die Tatsache, dass ich momentan keine alkoholischen Getränke vertrage. Hilfe!




