Oder: Warum ich wirklich nur 25% Nerd bin.
Nach der ganzen Aufregung um Full Metal Village*, der nämlich noch mittags im Filmlager in Potsdam rumlag, obwohl er längst bei uns hätte sein sollen und dann von einem Mitarbeiter/vermutlich unbezahlten Praktikanten mit dem Auto in den Thüringer Wald gefahren wurde und dann doch noch rechtzeitig zum Spulen da war, war ich dann nach dem Film, der auch beim zweiten Sehen noch genauso großartig wie beim ersten Mal ist, wie auch das Publikum fand, irgendwie noch nicht müde und geriet daher auf eine private Anime-Party.
Äh ja. Eigentlich natürlich nur, weil ich herausfinden wollte, ob dort von Carla Translata übersetzter Trash läuft. Und weil mir erzählt wurde, dass gerade eine Serie namens Lucky Star gezeigt würde, die wie Sailor Moon auf Speed sei, eine sehr vielversprechende Beschreibung nachts um 11. Als ich dorthin kam, lief jedoch Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, ein sehr schöner Film, den man (in diesem Fall: leider) auch mehrfach sehen kann, denn kurz nachdem ich angekommen wurde, wurde mir vom eigentlich Verantwortlichen die Verantwortung übertragen, den Beamer ins Büro zurück zu bringen. Und so war ich dann allein unter Otakus, die immerhin deutlich besser rochen als die Menschen, die immer Magic im Comicladen spielen, weswegen ich mich dort nie länger als 3 Minuten aufhalten kann.
Dann gab es noch eine Folge Denno Coil, was sehr interessant aussah (und zwar gut interessant, nicht im Sinne von “wie schmeckt das Essen? - interessant”.), vielleicht sollte ich lieber diese Serie gucken als die neue Heroes-Staffel. Danach lief leider weder Etchi noch Hentai, sondern noch schlimmer, irgendwelche Fan-Zusammenschnitte aus diversen Serien zu 80er Jahre Hair Metal. Besonders amüsant war ein Fan-Video, das zeigen wollte, wie vielfältig Anime sein kann und leider doch nur Mädchen mit großen Augen und kurzen Röcken zeigte. Dude, you know, that’s not exactly helpful.
Um 1.45 Uhr war dann endlich Schluss, das Licht ging an und die übrig gebliebenen Otakus wurden mit der schockierenden Tatsache konfrontiert, dass eine Frau anwesend war, die sogar mit ihnen sprach (”Am besten räumt ihr das blaue und das große Sofa auf die Bühne, vorher aber am besten die Leinwand abhängen. Der Rest kann so bleiben.”) . ZOMG! Besonders amüsant, wenn auch wenig erstaunlich war, dass keiner (obwohl seit Jahren an der Uni) bisher in einem Studentenclub war, und daher das Schild “Kein Ausgang” ernst genommen wurde (wobei ein Schild mit den Worten “kein Ausgang” auf einem Notausgang vielleicht auch irgendwie deplatziert ist, auch wenn darüber ein Notausgang-Schild leuchtet). Dass ich dann noch mit nicht-wasserfesten Schuhen, die sich nach und nach auflösten, durch den strömenden Regen heimgelaufen bin, passte dann irgendwie auch zum surrealen Abend.
Und jetzt funktioniert mein Gehirn nicht mehr, was aber vielleicht beim Lesen des Textes auch schon klar war.
*Irgendwie habe ich vergessen, über diesen Film zu bloggen. Nun ja. Jedenfalls ist Full Metal Village ein ganz großartiger Film, der klug und unterhaltsam zu gleich ist, ein wenig verstörend, aber auch euphorisierend. Unbedingt anschauen!